Die 14 Achtsamkeitsübungen sind die Essenz des buddhistischen Intersein-Ordens, der von Thich Nhat Hanh gegründete wurde.
Auf dieser Seite finden Sie eine von mir gekürzte Fassung der Originaltexte:
Die 1. Übung der Achtsamkeit:
Offenheit
Wir üben uns darin, Lehrmeinungen und Theorien (inkl. der buddhistischen) mit Offenheit und der Einsicht des Interseins zu betrachten, statt sie zu verherrlichen oder uns an sie zu binden.
Die 2. Übung der Achtsamkeit:
Nicht-Haften an Ansichten
Wir üben uns darin, uns nicht an unsere gegenwärtigen Ansichten zu binden; unser derzeitiges Wissen stellt keine unveränderliche, absolute Wahrheit dar. Wir sind bereit ein Leben lang zu lernen, auch von den Erfahrungen und Einsichten anderer – durch die Praxis mitfühlenden Zuhörens, tiefen Schauens und Loslassens von Vorstellungen.
Die 3. Übung der Achtsamkeit:
Freiheit des Denkens
Wir sind entschlossen, das Recht anderer zu respektieren, anders zu sein und selbst zu wählen, woran sie glauben und wofür sie sich entscheiden. Jedoch wollen wir anderen durch liebevolles Sprechen und im mitfühlenden Dialog dabei helfen, Fanatismus und Engstirnigkeit loszulassen und zu transformieren.
Die 4. Übung der Achtsamkeit:
Bewusstheit für das Leiden
Wir sind entschlossen, das Leiden zu erkennen, anzunehmen, zu umarmen und ihm zuzuhören. Wir praktizieren bewusstes Atmen und Gehen, um tief in die Wurzeln unseres Leidens zu schauen. Und wir sind entschlossen, mit denen zu sein, die leiden, sodass wir ihnen helfen können, ihr Leiden in Mitgefühl, Frieden und Freude zu verwandeln.
Die 5. Übung der Achtsamkeit:
Mitfühlendes, gesundes Leben
Wir sind entschlossen, unser Leben nicht auf Ruhm, Macht, Reichtum oder sinnliches Vergnügen auszurichten. Wir üben uns so zu konsumieren, dass Mitgefühl, Wohlergehen und Freude in unserem Körper und Bewusstsein sowie im kollektiven Körper und Bewusstsein unserer Familien, unserer Gesellschaft und der Erde bewahrt werden (bspw. bestimmte Substanzen, Internetseiten, elektronische Spiele, Fernsehsendungen, Glücksspiele, Filme, Zeitschriften, Bücher und Gespräche).
Die 6. Übung der Achtsamkeit:
Sich um Ärger kümmern
Wir sind entschlossen, uns gut um die Energie unseres Ärgers zu kümmern, sobald sie sich zeigt. Wir praktizieren achtsames Atmen oder achtsames Gehen, um den Ärger zu erkennen, zu umarmen und ihn tief zu betrachten; und den in unserem Bewusstsein liegenden Samen des Ärgers zu transformieren. Wir wollen anderen helfen, dasselbe zu tun.
Die 7. Übung der Achtsamkeit:
Glücklich im gegenwärtigen Augenblick verweilen
Wir wollen uns darin üben, jeden Augenblick unseres täglichen Lebens in tiefer Bewusstheit zu leben - wir werden achtsames Atmen üben, um uns bewusst zu sein, was im Hier und Jetzt geschieht. Wir sind entschlossen, die Kunst des achtsamen Lebens zu erlernen, und uns voller Dank daran erinnern, dass wir bereits mehr als genug Bedingungen haben, um glücklich zu sein.
Die 8. Übung der Achtsamkeit:
Wahre Gemeinschaft und Kommunikation
Wir sind entschlossen, mitfühlendes Zuhören und liebevolles Sprechen zu üben. Wann immer Schwierigkeiten aufkommen, werden wir tief in uns und andere schauen, um all die Bedingungen und Ursachen zu erkennen, die dazu beigetragen haben. Wir werden die Verantwortung für unsere Anteile an dem Konflikt übernehmen und gesprächsbereit bleiben; und wir werden uns nicht als Opfer verhalten, sondern aktiv darum bemüht sein, Wege der Versöhnung zu finden und Konflikte zu lösen.
Die 9. Übung der Achtsamkeit:
Ehrliches, aufrichtiges und liebevolles Sprechen
Wir üben uns in ehrlicher, liebevoller und konstruktiver Rede und werden nur Worte gebrauchen, die Freude, Vertrauen und Hoffnung wecken und Versöhnung und Frieden in uns und in anderen fördern; sowie helfen, Leiden zu transformieren und Auswege aus schwierigen Situationen zu finden.
Die 10. Übung der Achtsamkeit:
Die Sangha schützen und nähren
Wir üben uns, zur Verwirklichung von Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit innerhalb der spirituellen Gemeinschaft (Sangha) mitwirken, und uns darin üben, die drei wahren Kräfte – Liebe, Verstehen und das Loslassen von Anhaftungen – zu entwickeln, um kollektives Erwachen zu verwirklichen.
Die 11. Übung der Achtsamkeit:
Rechter Lebenserwerb
Wir werden unser Möglichstes tun, um einen Lebenserwerb zu wählen, der zum Wohlergehen aller Wesen auf der Erde beiträgt und hilft, unser Ideal von Verstehen und Mitgefühl zu verwirklichen. Wir verhalten uns als Konsument*innen und Bürger*innen verantwortungsbewusst und werden keine Unternehmen unterstützen, die der Erde schaden.
Die 12. Übung der Achtsamkeit:
Ehrfurcht vor dem Leben
Wir sind entschlossen, in unserem täglichem Leben Gewaltfreiheit, Mitgefühl und die Einsicht des Interseins zu entwickeln sowie Friedensbildung, achtsame Mediation und Versöhnung in Familien, Gemeinschaften, ethnischen und religiösen Gruppen, Nationen und in der Welt zu fördern.
Die 13. Übung der Achtsamkeit:
Großzügigkeit
Wir sind entschlossen, in unserem Denken, Reden und Handeln Großzügigkeit zu entwickeln. Wir wollen uns in liebender Güte üben, indem wir für das Glück von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien arbeiten und unsere Zeit, Energie und materiellen Güter mit denen teilen, die sie brauchen.
Die 14. Übung der Achtsamkeit:
Wahre Liebe
Wir sind entschlossen, eine sexuelle Beziehung nur auf der Basis von gegenseitigem Verstehen, Liebe und der Bereitschaft zu einer langfristigen Bindung einzugehen; sowie angemessene Wege zu erlernen, um gut mit unserer sexuellen Energie umzugehen. Wir sind entschlossen, unsere Lebensenergien (die sexuelle Energie, den Atem, den Geist) zu bewahren und so zu lenken, dass sie der Verwirklichung unseres Bodhisattva-Ideals dienen.
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